Ich
habe meine Kindheit in der Stadt Stargard erlebt, die in der Zeit vor dem
Kriege zu Deutschlands oestlicher Provinz Pommern gehoert hat und jetzt
zu Polen. Der Krieg gegen Polen begann 1939, und wir sahen uns jede Woche
die neuesten Kriegsfilme an - mutig lachende deutsche Soldaten, "Stukas",
die Sturzkampfbomber, brennende Haeuser, unrasierte, wild blickende alte
russische Maenner und weinende Kinder. Und ich erinnere mich, wenn mein
Grossvater warnend murmelte: "Wenn einmal anders kommt ... !"
(es wird furchtbar werden, wenn wir entdecken, was unsere Soldaten mit den
Russen gemacht haben!) Doch niemand hoerte auf ihn.
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| Winter 1944,
Dezember, im Alter von 13 Jahren. Meine Mutter nahm mich an die Hand und
wir fuhren nach Stettin, die Hauptstadt der Provinz, um Weihnachtseinkaeufe
zu taetigen. Zu der Zeit existierten viele Haeuser nur noch aus Schutt,
die Ruinen ragten hoch in den Himmel. Die Luftangriffe der westlichen Alliierten
hatten ihr Werk getan. In einem Warenhaus standen hunderte Paare von weiss
angestrichenen Skiern. Sie waren von der "Wehrmacht" (den deutschen
Truppen), die jetzt, geschlagen von der russischen "Roten Armee"
und auf dem Rueckzug befindlich, nicht laenger benoetigt wurden. Meine Mutter
hat mir ein Paar gekauft. Was fuer ein gluecklicher Junge war ich!
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| Zurueck
in Stargard ich ging sobald wie moeglich Ski fahren. Es kamen viele Deutsche
Menschen in unserer Stadt an, Bauern mit Wagen und Pferden, einige hatten
eine Kuh dabei, alle aus der Provinz "Ostpreussen" und aus Polen.
In meine dritte Klasse der Oberschule kamen immer mehr Schueler dazu. Zuerst
waren wir 25 Schueler, dann 45, dann 50. Wir konnten sie nicht leiden. Aergerlich
fragten wir: "Warum habt ihr eure Heimat verlassen?" In den spaeten
Abendstunden kroch mein Grossvater geradezu in den Radioempfaenger, um die
britische BBC oder Radio Moskau in deutscher Sprache abzuhoeren, um Informationen
ueber die militaeriche Lage zu bekommen. Das war fuer ihn sehr gefaehrlich,
denn, von einem Nachbarn verraten und dann verhaftet waere er zum Tode verurteilt
und am naechsten Tage erschossen worden!
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Wir hatten noch keinen Luftangriff auf die Stadt erlebt. Es gab zwar viele "Fliegeralarme", aber auch nicht mehr. Vorsichtshalber hatte alle Leute Saecke und Taschen und Koffer gepackt mit Kleidung, fuer den Notfall, dass ihr Haus von einer Bombe getroffen wuerde. Dann, ploetzlich, im Januar 1945, waren viele Soldaten in der Stadt, mir ihrer Ausruestung, Autos, sogar den schweren 60-Tonnen "Tiger"-Panzern. Die meisten Soldaten gehoerten zur "Waffen-SS", einer Elitetruppe. Wir konnten sie jedoch nicht verstehen, wenn sie sprachen. Wir nannten sie "Letten", weil sie aus den Baltischen Staaten kamen, andere aus Belgien usw. Gelegentlich hoerten wir dumpfen Klang von Granaten. "Keine Angst", sagten sie, "das ist weit weg, hundert Kilometer!" Hundert Kilometer? Nein, denn spaeter erfuhren wir, es waren sowjetische Panzerspitzen, "T 34"-Panzer, nur fuenf, sechs Kilometer entfernt! Dann aenderte sich die Situation vollstaendig, wie man im folgenden lesen kann.
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Oscar |