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Der inhaftierte Amerikanische Schuljunge

Eine Internierung, die niemals so gedacht war
von Arthur D. Jacobs, Major, USAF pensioniert

Art Jacobs as a boy Es wurden ohne das Wissen der meisten Amerikaner in den Vereinigten Staaten mehr als 10.000 Deutsche und deutschstämmige Amerikaner während des zweiten Weltkrieges interniert. Ich wurde in den Vereinigten Staaten von Amerika geboren und diese Geschichte beschreibt meinen gefährlichen Weg von meinem Zuhause in Brooklyn zur Internierung auf Ellis Island in New York, nach Crystal City in Texas und schließlich zur Inhaftierung nach dem Krieg an einem Ort in Deutschland, der Hohenasperg heißt.

Hohenasperg ist über Jahrhunderte ein Gefängnis gewesen. Es wurde benutzt um Schriftsteller, Wirtschaftswissenschaftler, politische Gefangene, Verräter und andere, die als Staatsgegner angesehen wurden, einzusperren. Die Nazis ermordeten hier Juden und sperrten hier Terroristen ein. Das Gefängnis ist von einem abgrundtiefen und breiten Graben umgeben, gefolgt von hochragenden Mauern. Es ist 30 Minuten von Stuttgart und 90 Minuten von Nürnberg entfernt und es ist ein Platz, von dem gesagt wird, dass die Menschen, die dort den Berg zum Gefängnis hinaufgehen, nie wieder zurückkehren würden. Und obwohl ich erst ein Kind von 12 Jahren war, wurde ich dort in eine Zelle gesperrt.

Als ich allein und ängstlich in dieser Zelle saß, plagten mich viele Fragen. Warum behandeln die mich so? Ich wusste nicht, warum Amerikaner einen anderen Amerikaner so rauh behandelten. Ich war doch noch ein Kind! War ich etwa gefährlich? Warum wurde ich angeschrien? Warum nannten sie mich einen "kleinen Nazi"? Es war kalt, nass und trostlos in meiner Zelle - es war öde! Es war jenseits des Grauens. Es war furchterregend.

Es war zum Verrücktwerden. Warum schrien mir meine amerikanischen Freunde, Soldaten in der Armee der Vereinigten Staaten, Befehle entgegen? Ich bin kein Nazi; ich bin Amerikaner, dachte ich. Warum hatte ich keine Papiere, die bestätigten, dass ich Amerikaner bin? Ich glaube, dass ich meinen gesunden Menschenverstand nur behalten konnte, weil ich immer eine seelische Zuflucht vor diesem Horror suchte, dem ich gegenüberstand. So ging ich während meines Aufenthalts dort das Ganze immer wieder von vorne durch. Wie bin ich dort hingekommen?

Ich dachte nach über meine 50-Meilen -Fahrt im Heck eines Armeelastwagens, der uns (ungefähr 25 Personen in dem Lkw, in dem ich war) vom Schiff im Hafen von Bremerhaven nach Bremen brachte. Es sah nicht wie eine Stadt aus. Es war eher ein riesiger Haufen Geröll. Wir fuhren an einem Haufen nach dem anderen vorbei. Wo früher Gebäude standen, war jetzt nichts mehr als Berge von Ziegelsteinen und von Minenwerfern zerstörte Ruinen. In einigen Fällen standen zum Beispiel nur noch Mauern, die von Zerstörung umgeben waren, welche durch die Bomben selbst und die anschließenden Feuer verursacht waren. Meile für Meile war das gleiche Bild zu sehen.

Ich konnte etwas sehen, was wie alte Frauen aussah, die Handkarren mit Steinen von den Müllhaufen schoben. Sie legten die Ziegel in den Karren, fuhren diesen zu den aufgestapelten Ziegelhaufen, nahmen dann Stein für Stein aus dem Karren und reihen sie ohne Zwischenräume auf diese Stapel

Ich hatte einen guten Ausblick auf das alles, weil ich ganz hinten saß. Man könnte sagen, dass ich "den besten Platz im Haus hatte". Ich wurde vom bewaffneten Militär angewiesen hier zu sitzen und kann immer noch das laute Schlagen der Lkw - Plane hören. Ich erinnere mich auch an den kalten Wind, der vom Ende hereinbließ, während ich dort zitternd saß und der Wind mir in und um die gefrorenen Füße herumpeitschte.

Die ganze Albtraumfahrt über hielt ich mich so gut wie ich konnte an meinem Sitz fest, weil der Fahrer auf dem Kopfsteinpflaster beschleunigte und gleichzeitig auswich um die Schlaglöcher zu verfehlen. Als der Lkw über ein Schlagloch fuhr, wurde ich fast hinausgeworfen, aber irgendwie konnte ich mich festhalten. Warum, wunderte ich mich, wurde ich angewiesen am Ende des Lkws zu sitzen?

Arthur D. Jacobs - a recent pictureIch erinnere mich, dass wir an einem Bereich der Stadt vorbeikamen, wo keine Gebäude standen, nicht mal Rohbauten oder eine Mauer von einem Gebäude - nichts, nur Schutt, und nun fand ich mich, immer noch fröstelnd, hier eingesperrt als einen Teil dieser Vision der Hölle.

Arthur D. Jacobs
17th September, 1999

Translation: Matthias Waldhier
Betreuung: Dietmar Rößler
Ickstatt - Realschule Ingolstadt


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