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Die Geschichte von Dainas Großmutter
   Das besetzte Litauen

Ich bat meine Großmutter, Aldona Cepaviciene, mir über ihr Leben während des Krieges in den Jahren 1941-1945 zu erzählen.

Sie war zwölf, als der Krieg begann. 1943 zogen ihre Mutter und ihre fünf Kinder in die Stadt Kaunas. Das war das Jahr der deutschen Besetzung. Alle sechs Personen lebten in einem kleinen, dunklen Kellergeschoß, weil das Haus von deutschen Soldaten besetzt war. Aber trotzdem waren sie ziemlich freundlich zu der Familie.

Meine Großmutter wußte viel über das Verhalten der Deutschen gegen die Juden. Ihre Familie lebte nicht weit entfernt von einem Getto und sie sah viele Dinge. Meine Omi konnte eine Menge Juden sehen, die zu dem 9. Festungswerk getrieben wurden, um dort von deutschen Soldaten erschossen zu werden. Die Juden waren mit schwarzen Anzügen gekleidet und hatten gelbe Sternen auf ihrem Rücken. Eines Tages folgte der Bruder meiner Großmutter ihnen bis zum Festungswerk, und dann konnte er den Tod der Juden von einem Hügel aus, der sich in der Nähe des Festungswerks befand, sehen. Den Leuten war es gestattet, diese Szenen zu sehen, denn der deutsche Hass gegen die Juden war ganz öffentlich. Den Juden war es nicht erlaubt, auf dem Gehsteig zu gehen, nur entlang der Straße.

Im Sommer 1944 zog meine Omi für einige Monate auf das Land. Das waren die schrecklichsten Ferien in ihrem Leben. Zu dieser Zeit begann die russische Besetzung, und die Deutschen versteckten sich in den Wäldern, dabei raubten sie einsame Häuser auf dem Land aus, und eines Tages kamen sie zu ihr.

Die Deutschen nahmen alles, was sie nehmen konnten: Essen, Kleidung, Tiere, Hühner. Aber das Schrecklichste war, dass das Mädchen überhaupt nichts über ihre in der Stadt lebende Mutter ausfindig machen  konnte, weil alle Verkehrsverbindungen zerstört waren. Sie war erst 14 Jahre alt und sehr ängstlich, und so versuchte sie, die Stadt zu erreichen, in der die russische und die deutsche Armee kämpften.People searching through rubble

Dort fand sie ihre Mutter, die noch am Leben war. Sie war erschöpft von den Bombenanschlägen. Jeden Abend musste sich die Familie vor den Bomben verstecken. Die Stadt über ihnen war fast komplett zerstört: die Häuser, das Gefängnis, die Schule, das Stromkraftwerk, die Wasserversorgung und alles war von den Bomben zerstört. Der Onkel meiner Omi, Juozas Kaluzevicius, wurde in die Sklavenlager der Russen deportiert. Die Familie konnte viele Jahre nichts über ihn herausfinden, bis sie eines Tages die Nachricht bekamen, dass er an Hunger und Krankheiten gestorben sei.

Kaunas war in der Hand der Russen. Die russische Soldaten wollten, dass die Familie meiner Omi das Haus verlässt. Die Juden versuchten ebenso wie die Russen, die Familie meiner Omi auszuweisen. Die Juden und die Russen waren sehr rüde und unehrlich und versuchten, sie viel wie möglich für sich selber zu bekommen. Aber sie waren natürlich auch Menschen und nicht jeder war schlecht, aber sie waren voller Wut, und die Familie musste an einen anderen Ort ziehen, um dort zu leben. 

Daina Maslauskaite

(Übersetzt von Stefanie u. Carmen, Kl. 11a, Anna-Essinger-Gymnasium Ulm, Germany )
 


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