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Dots Geschichte

LONDON

Photograph of child Dot Ich war immer noch erst 15, als ich endgültig aus dem Stahlwerk in Scunthorpe herauskam. Ich ging nach London, um dort bei meiner Schwester zu wohnen. Es war 1945, und es war immer noch Krieg, und es war ein komisches Gefühl, bei Verdunkelung im schwachen Licht eines Londoner Buses  zu sitzen, nirgendwo Lichter, nur ein winziger Lichtschimmer, der von den Treppen her kam, die hinunter in die U-Bahn führten.

Als der Krieg im September endete, stürzte ich mich voll ins Vergnügen - immer noch 15, aber ich hatte viele Freunde. Gesellschaftstanz war meine Leidenschaft, und meine Arbeit als Verkäuferin bei Woolworths war viel besser als meine Arbeit mit den Transportkarren, wo ich mich  mit einem halben Zentner schweren Säcken voll dreckiger staubiger  Schlacke von morgens 7.30 Uhr bis 5 Uhr abends  für 30 Schilling die Woche herumzuquälen hatte.

 Wir gingen jeden Samstag zum  Putney Palais de Danse;  dort waren viele Soldaten auf  Urlaub, mit denen man tanzen konnte. Ich bin mit keinem eine nähere Bekanntschaft eingegangen - ich hatte nur einfach viel Spaß! Wir hatten uns daran gewöhnt, ja alles mitzumachen; die Einstellung der jungen Leute war "hab Spaß, so lange es geht, weil ein Doodlebug oder eine V2-Rakete dich zu jeder Tages- und Nachtzeit erwischen kann". 

Die Burschen, die Urlaub hatten, waren gewiß darauf aus, sich zu vergnügen, und das Palais war der Ort, wo sie dazu hingingen. Jedoch überhaupt nicht so wie heute - es gab zum Beispiel keine Bar. In den Pausen tranken wir alle Tee  und aßen ein Stück Kuchen. Gesellig  sein bedeutete nicht, beschwippst zu werden, und nüchtern zu sein hielt einen nicht davon ab, sich ganz toll zu vergnügen. 

Ein weiterer Unterschied war, dass wir die paar Meilen oder so vom Palais um Mitternacht ohne irgenwelche Angst zu haben  zurücklaufen konnten. Man kam an Leuten vorbei, an vielen Leuten, und  manchmal sagte  ein Soldat oder ein Matrose "Gib mir einen Kuß, Süße",  und man gab ihnen einen Kuß, wenn er einem gefiel, aber da war nicht einmal der Gedanke, dass man plötzlich von irgendjemand angegriffen werden könnte.

Seltsamerweise dauerte unsere Entschlossenheit, uns zu amüsieren, auch über das Ende des Krieges hinaus noch an, und zurückschauend kann ich sehen, dass meine Generation den Kriegszustand als normal betrachtete, und
dass es ist uns sehr schwer fiel, unsere Einstellungen zu ändern.

Aber ganz plötzlich hatten wir die ganzen Soldaten und Matrosen, die vom Krieg heimkamen, die alle wieder in ein normales Leben zurückgebracht  werden wollten, nur dass es anders sein sollte als ihr Leben vor dem Krieg.  Nämlich mit einen ordentlichen  Gesundheitsdienst zum Beispiel.

Dot Baker

(Übersetzt von Benjamin, Jg. 12, Anna-Essinger-Gymnasium Ulm, Germany )

Dot hat weitere Geschichten über ihre Kindheit geschrieben :


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