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Feliks Geschichte

Mit dem Viehtransporter in die Sklaverei

Mein Name ist Feliks Chustecki und in meinem Leben war ich folgendes: Schüler, Zwangsarbeiter, Flüchtling, Kadett, Flugzeugführer in Ausbildung und Lehrer. .

Ich wurde in Polen geboren, lebe aber jetzt in Coventry in England. Ich gehöre hier zum Ausschuss der "Elders", weil ich mit 14 Jahren zusammen mit meiner Familie in ein Arbeitslager nach Russland geschickt wurde.

Im Jahre 1939 waren alle Zeitungen voll von Meldungen über einen möglichen Krieg. In Polen hielt die polnische Armee schon im Mai 1939 Manöver ab. Ich kann mich erinnern, dass ich einmal eine große Parade unserer polnischen Kavallerie angeschaut habe. Der Anblick von 300 Pferden machte auf mich einen großen Eindruck.

Meine Schullaufbahn wurde, als ich 14 war, vom Einmarsch der Russen in Ostpolen und vom gleichzeitigen Einmarsch der Deutschen in Westpolen unterbrochen.

Die russischen Soldaten kamen am 10. Februar 1940. Sie weckten uns um 2 Uhr auf und sagten uns, wir hätten eine Stunde Zeit, um einige Dinge auf die Schlitten zu laden und diese zum Bahnhof zu ziehen. Mein Vater wurde von einem Soldaten bewacht, während meine Mutter und ich zusammensuchten, was wir konnten. Wir wussten, dass wir alle erschossen würden, falls wir versuchen sollten, wegzulaufen oder Widerstand zu leisten.

Natürlich wird heute versucht, die Kinder vor allem zu schützen, aber damals waren wir nur ein Spielball im Weltgetriebe. Es gab niemanden, der uns beriet. Wir wurden mit vielen anderen Familien in Viehtransporter gesteckt, und diese wurden dann verschlossen. Es gab keine Privatsphäre und kein Essen, außer dem bisschen, das wir mitgebracht hatten. Wir durften auf keinen Fall raus, nicht einmal, wenn jemand krank war oder starb, und es gab Wachen, die da waren, um uns zu erschießen, falls wir versuchen sollten, zu fliehen.

Unsere Reise sollte einen ganzen Monat dauern. Alle paar Tage bekamen wir Wasser - in der ersten Woche gab es nur das, und dann nach der zweiten Woche bekamen wir Salzfischsuppe und etwas Brot. .

Im Arbeiterlager hörten wir nichts von der Außenwelt, ausser Gerüchten, die Fremde brachten. Sie erzählten uns natürlich nur, dass Polen zerstört sei.. Wir waren zwei Jahre lang in diesem Lager.

Als Hitler Russland angriff, wurde eine Amnestie unterzeichnet und wir durften nach Südrussland reisen, wo sich eine polnische Armee formierte. Wir waren ungefähr 500 und wir reisten zuerst auf Lastkähnen, die von Schleppern gezogen wurden, hunderte von Meilen und dann mit dem Zug; wir mussten 1000 Meilen reisen. Während der Reise hatten wir wenig oder gar kein Essen - viele starben. Schließlich kamen wir nach Kasachstan, wo sich polnische Streitkräfte formierten. Obwohl wir krank und ausgehungert waren, war es eine Freude, wieder polnische Soldaten und Fahnen zu sehen.

Ich sollte Kadett werden und die Ehre haben, der Truppe anzugehören, die kämpfen sollte, um mein verlorenes Land wiederzuerlangen. Die Kadettenschule basierte auf militärischer Disziplin. Wir hatten Besuche von Delegierten der polnischen Luftwaffe und der Armee. Das geschah, um uns zu rekrutieren. Wir brannten alle darauf, zum Einsatz zu kommen, nach all dem Leiden, das wir durchgemacht und gesehen hatten. Wir wollten unseren Beitrag leisten für die gemeinsame Sache. Ich wurde dazu ausgewählt, ein Pilot in der Freien Polnischen Luftwaffe zu werden, und deshalb kam ich nach Großbritannien.

Feliks Chustecki
February 1996

(Übersetzung: Dominik B. , 11a-2000, Anna-Essinger-Gymnasium Ulm, Germany)



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