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Helenes Geschichte

Wir werden besetzt von der deutschen Wehrmacht


Photograph of Helene in 1943Im Jahr 1939, ich war 29 Jahre alt, hatte ich vier Jahre alte Zwillinge, und ich lebte mit meinem Ehemann, einem Schulleiter, bei Beuvry in Nordfrankreich.

Dann war plötzlich der Ausdruck "Mobilisation Generale"(Große Mobilmachung) in aller Munde. Es ließ uns erzittern, besonders die, die sich noch an den ersten Weltkrieg erinnerten. Innerhalb weniger Tage geriet alles durcheinander. Alle Männer gingen weg, auch mein Mann und mein Bruder, der nur 21 Jahre alt war. Alle Lehrer gingen und alle Angestellten der örtlichen Verwaltung, usw... Es war ein unbeschreibliches Durcheinander, aber schließlich gewöhnten wir uns alle daran.

Bevor die Feindseligkeiten begannen, hatten wir den "drole de guerre" (den 'komischen Krieg') welcher mehrere Monate lange dauerte, als keine der beiden Seiten sich aus ihrer Ausgangsstellung bewegte.

Die französische Armee schien ein bisschen verschlafen zu sein,  schien nicht wachsam zu sein, das war der Eindruck, den man bekam....besonders in der Nacht vom 9. zum 10. Mai, als uns plötzlich der deutsche Angriff wie ein Blitz traf. Sie brachen alle internationalen Gesetze und überrannten neutrale Länder  wie Belgien, die Niederlande und Luxemburg, sie umgingen die "Maginot-" Linie, welche eigentlich dazu gedacht war, uns zu schützen.

Innerhalb nur weniger Tage beendete der Feind seine Invasion. Es gab kaum Widerstand. Unsere Armee hat kaum eine Waffe abgefeuert. Die Deutschen kamen in makelloser Marschordnung an, mit glänzenden, unbenutzten Waffen und mit neuen und sauberen Uniformen. Sie übernahmen sofort die Verwaltung, Bürgermeisteramt, Schulen, Postämter; der ganze Briefverkehr wurden angehalten. Sie stahlen oder plünderten nicht, sie hatten genug Geld und kauften, was sie brauchten, aber die Läden hatten schnell alle lebenswichtigen Waren verkauft: Kaffee, Mehl, Butter, Wolle zum Stricken usw...

Und dann erklärte die Regierung das Ende des Krieges für uns. Frankreich war nun unter der Macht von Marschall Petain, dem Mann, welcher der Held von "Verdun" im ersten Weltkrieg gewesen war... und  man hörte aus England von einem gewissen De Gaulle, der uns dazu aufrief, mit dem Krieg fortzufahren. Viele dachten, er sei ein völliger Dummkopf ... "was weiß er schon von unserer Lage?", und allmählich teilte sich Frankreich in zwei sich rivalisierende Lager, manche waren  für Petain, andere für De Gaulle und in vielen Familien hat sich mancher nicht mehr getraut, zu sagen, was er dachte, und es gab Denunziationen an die örtliche deutsche Autorität, was zu schrecklichen Repressalien führte  ...

Danach galt unsere große Angst den Bombenangriffen der britischen und amerikanischen Flugzeuge, die besonders auf Eisenbahnlinien zielten. Aber viele Zivilisten wurden getötet, jedoch wie durch ein Wunder niemand von unserer Familie.

So warteten wir bis 1945, dass dieser Weltkrieg schließlich enden und die Deutschen in ihre Heimat zurückkehren würden. Sie waren traurig und verzweifelt, und sie hatten die Arroganz ihres triumphalen Einmarsches verloren.

Glauben Sie nicht, dass wir De Gaul immer noch für einen Dummkopf hielten, im Nachhinein verstanden wir, dass er keiner war. Wir verstanden auch, dass Petain Frankreich an die Nazis ausgeliefert hatte, auch wenn es während der Besetzung nicht immer möglich war, dies zu wissen; ziemlich bald organisierte sich unsere Widerstandsbewegung.

Ich will nicht sagen, dass die Amerikaner falsch handelten, als sie uns bombardierten... es war wichtig, um die Deutschen zum Nachgeben zu zwingen. Mein Ehemann glaubte immer, dass es den Amerikanern zu verdanken war, dass wir zweimal, 1914 und 1939, von unseren Feinden befreit worden waren.

(Übersetzt von Florian, Jg.12-2000, Anna-Essinger-Gymnasium Ulm, Germany )

Helene Delattre
17. Juli 1997
Helene hat weitere Geschichten über diese Zeit geschrieben : Diese Geschichte ist von ihrem Enkel Alexandre (ins Englische) übersetzt worden.
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