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Jans Geschichte

Erinnerungen eines polnischen Schuljungen

Photograph of young JanIch wurde 1932 in Warschau geboren und ich war da, als die Deutschen Polen überfielen. Ich lebte zusammen mit meiner Mutter und meiner Großmutter, denn alle Männer waren an der Front, in einer kleinen Wohnung in der Stadtmitte Warschaus. Es war ein schöner, heißer Sommer, deutsche Flugzeuge flogen über uns und die Männer auf der Straße hatten Waffen bei sich. Ich erinnere mich noch daran, wie ich jeden Tag mit meinem Fahrrad fuhr oder auf dem Balkon stand um zu beobachten, was geschah. Da sich meine Mutter an den ersten Weltkrieg erinnerte, hatten wir Schokolade und Sardinen vorrätig. Dies war vorwiegend unser Essen.

Ich erinnere mich noch sehr deutlich an ein Ereignis und ich träume noch heute von diesem Tag. Ein Mann überquerte eine dieser breiten Straßen Warschaus, als ein tief fliegendes deutsches Kampflugzeug, gerade über den Häuserdächern, angeflogen kam. Die Maschinengewehre feuerten auf ihn. Sie schossen ihm seinen Kopf vollkommen ab und er lief weiter in Richtung der Apotheke. Ich wunderte mich, wie ein Mensch ohne Kopf laufen kann. Ich kenne jetzt den Grund.

Ein anderes Mal waren meine Mutter und ich auf dem Weg ins Krankenhaus, weil ich dort mit ihr bleiben sollte, als eine deutsche Fliegerbombe eine Glashütte traf. Es war der prächtigste Anblick der Erde. Die farbenfrohen Flammen waren zugegeben sehr prachtvoll.

Als ich später im Krankenhaus war, lag ein Mann im Bett neben mir. Ich erzählte ihm, wie ich die Deutschen hasste und dass ich sie alle töten werde. Als meine Mutter kam, bat er sie, dass ich doch vorsichtiger sein sollte wenn seine Freunde kämen, denn er war ein deutscher Offizier. Eigentlich war er Österreicher und er war ein wenig gegen Deutschland. Er erlaubte meiner Mutter sein Auto in dieser Nacht als Krankenwagen zu benutzen, um die verletzten Mitglieder der polnischen Untergrundarmee ins Krankenhaus zu transportieren, denn er hatte all die Ausweise. Ich wünschte, ich hätte mir seinen Namen gemerkt. Ich weiß nur, dass er an die Ostfront geschickt wurde und heute wahrscheinlich nicht mehr am Leben ist.

Als Kind war ich unerschrocken, da jeder den Sieg Polens im Krieg erwartete. Meine Erinnerung an die Deutschen sind auf- und abmarschierende Stiefel, sehr vorsichtig zu sein und Soldaten, für die man vom Gehsteig gehen musste.

Mein Vater und Großvater waren in der Untergrundarmee und ich wusste, dass wir einen Radioempfänger in unserem großen Ofen versteckt hatten, mit dem wir gierig B. B. C. hörten.

1941 wurde meine Mutter von der Gestapo ohne ersichtlichen Grund verhaftet. Die ganze Familie legte zusammen um einen großen Geldbetrag zusammenzubringen um sie damit freizukaufen. Der richtige Schock kam am 22 Juni 1942, als meine Mutter, mein Vater, mein Onkel und mein Großvater von der Gestapo verhaftet und in dem berüchtigten Gestapo - Hauptquartier verhört wurden. Mittlerweile weiß ich, dass die Männer umgebracht wurden und meine Mutter ins Konzentrationslager nach Auschwitz und von dort nach Ravensbrück geschickt wurde. Dort wurde sie von den Amerikanern befreit.

Ich lebte mit meiner Großmutter in Warschau, bis dieses von den Russen befreit wurde. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass ein Großteil meiner Familie getötet worden war, und ließ eine Suchanzeige im Warschauer Radio senden um Neuigkeiten über ihren Aufenthaltsort zu erfahren. Glücklicherweise hörte meine Mutter dies und kam nach Warschau um mich abzuholen.

Ich kam 1946 nach England und lebe seitdem hier.

Übersetzung:
Markus Reimann, Christian West
Betreuender Lehrer: Reinhard Hopfe
Ickstatt-Realschule Ingolstadt

Dr Jan Mokrzycki
22, November 1996

Jan is a member of MEMORIES Panel of Elders. You can click here to write him.


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