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Magdalenas Geschichte

Das verlorene Kind aus Sibirien

Photograph of young Magdalena Als ich vier Jahre alt war, wurde mir der Name "Magdalena" gegeben. 1943 kam ich mit einem Zug aus Sibirien zusammen mit Tausenden von anderen Kindern, von Babys bis hin zu zehnjährigen, in Teheran in Persien an. Keine Mütter. Keine Väter. Keine Erwachsenen  außer den Soldaten. 

Bis irgendjemand Anspruch auf uns erheben oder uns adoptieren sollte, wurden wir alle in Heime gesteckt. Ich habe nicht viel gesprochen, aber es schien, als wäre ich polnischer Herkunft, und deshalb, als niemand nach mir suchte, nahmen mich der polnische Generalkonsul und seine Frau auf, nannten mich "Magdalena" und ich wurde ihre Tochter. 

Zu dieser Zeit begann mein Leben. 
Ich habe keine Erinnerung an die Zeit davor. 
Ich erinnere mich an keine Person vor dieser Zeit. 

Ich erinnere mich an nichts anderes außer Schnee und, dass es kalt war und an ein kleines Schweinchen, welches mein einziger Freund war. Wenn ich nachts weinend aufwachte, schrie ich jedes Mal "sie nehmen mir das Ferkelchen weg...Mama...Mama...sie nehmen das Ferkelchen" und meine Mutter, die nicht meine richtige Mutter war, küsste mich  und hielt mich so lange im Arm, bis ich wieder wieder eingeschlafen war. 

Der Arzt meinte, ich wäre wahrscheinlich 1939 geboren und so bekam ich mein Alter zugewiesen; aber wer kann schon sagen, wann und wo ich wirklich geboren wurde? Ich nicht. Mit der Zeit vergaß ich die Kälte Sibiriens und wurde glücklich in der Wärme Persiens. 

Aber dann kam das Jahr 1945 und somit die schlimmen Erinnerungen für uns Polen. Im Februar trafen sich Churchill und Roosevelt in Yalta und sie vereinbarten, den Leichnam des armen Landes Polen an den Schlächter Stalin zu verkaufen. Unser General Sikorsky war bereits ermordet. Russische Soldaten umstellten unser Zuhause
im polnischen Konsulat in Teheran. 

Mein tapferer Vater harrte auf seinem Posten aus, solange er konnte. Er schaffte es, der polnischen Exil-Regierung in London Papiere und Geld zukommen zu lassen, und  mit der Hilfe der amerikanischen Botschaft gelangten wir dann nach Palästina. Mein Vater startete eine Hilfsaktion und schickte Pakete mit Essen nach Polen, das schon wieder besetzt war, aber diesmal waren die Uniformen russisch und nicht deutsch. Das war 1945; ich war etwa sechs Jahre alt und in einem fremden Land. 

Magdalena Mokrzycki

(Übersetzt von Julia B., 11a-2000, Anna-Essinger-Gymnasium Ulm, Germany)

Magdalena is a member of the MEMORIES Panel of Elders. You can click here to write to her.


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