| Ich arbeitete in London und kann
mich an einen besonders schlechten Zeitraum von 24 Stunden errinern. Ich
war in der County Hall ( Rathaus), genau gegenüber des Parlamentsgebäudes,
und hatte gerade einige behinderte Kinder zur Küste gebracht
Ich wohnte in Earl´s Court in einer Wohnung. Es gab in diesem Haus
keinen Luftschutzbunker, und wir saßen gewöhnlich einfach
unter dem Küchentisch, wenn die Bomber nah waren.
Während des Tages schenkten wir den Sirenen keine Beachtung, aber wenn Pfeiffsignale ertönten, bedeutete das "unmittelbare Gefahr", und dann würden wir Schutz suchen. Eines Abends hatten wir eine Luftschutzwarnung, und später in der Nacht hörte ich die Pfeiffsignale - das bedeutete, unsere Kleider anzuziehen und wieder unter den Küchentich zu kriechen - aber wir waren ziemlich vergnügt und waren gut darauf eingespielt. Wir hörten alle das "ack-ack" der Flak, die im Hyde Park und in Kensington Gardens stand, und als ich aus dem Fenster schaute, sah ich, wie gerade ein paar Bomber von den Scheinwerfern erfasst wurden; sie waren gerade über den Sperrfeuer-Ballons, die ganz London während dieser Zeit bedeckten. Plötzlich klopfte ein Luftschutzwart an unserer Tür und befahl uns, so schnell wie möglich raus zu gehen - wir reagierten sofort; und ich, obwohl erst halb angezogen und in Hausschuhen, rannte zu dem tiefen Schutzraum unter Earls Court Exhibition Hall. Der war 40 Fuß tief und insofern ziemlich sicher, ausser er wurde direkt getroffen. So gesellte ich mich zu den ungefähr 200 Leuten, die bereits da waren. Es wurde viel gesprochen und es gab das übliche Singen ( waschechte Ost-Londoner liebten es, während der Luftangriffe zu singen - man konnte sich darauf verlassen, dass sie voll die Nerven behielten) Ich hatte darauf bestanden, meine Krankenschwester-Uniform anzuziehen, so war es mir möglich, zu helfen, falls es nötig sein sollte, ich hatte aber immer noch meine Hausschuhe an. Am Morgen wurde uns gesagt, dass wir nicht zurück gehen sollten, da einige "Ölbomben" (Flüssigbrandbomben) in diesem Gebiet abgeworfen worden seien; daher lieh ich mir Schuhe von meiner Hauswirtin - sie saßen sehr eng, aber ich sah mindestens anständig aus. An diesem Tag gab es nicht weniger als siebenmal "höchsten Alarm", wobei jeder von ihnen bedeutete, dass ich jedes Mal 3 Treppen hinunter in den Kellerschutzbunker rennen musste, noch immer in diesen viel zu kleinen Schuhen. Am Ende des Tages kam ich fast um wegen meiner Füße ! Glücklicherweise war ich auf solche Dinge
vorbereitet, und ich hatte immer einen Fünfpfundschein als Sicherheit
in meiner Weste angeheftet, daher stürzte ich raus und kaufte mir
ein Paar Schuhe. Uns wurde nicht erlaubt, weiterhin in unserer
Wohnung in der Warwick-Straße zu wohnen wegen der "Ölbomben"
(Flüssigbrandbomben), die am Nachmittag gefallen waren. Es wurde mir
jedoch erlaubt, zurückzugehen, um einige Sachen zu holen.
(Übersetzt von Wolfgang L., e12-2000, Anna-Essinger-Gymnasium Ulm, Germany ) |