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Theresas Geschichte

Die Besatzungszeit

Das Leben war nicht einfach für Theresa. Die Dinge hatten sich für die Familie sehr verändert, seit die     Amerikaner nach Nördlingen gekommen waren. Jeder hatte Angst vor ihnen. Man durfte sein Haus nicht länger als eine Stunde pro Tag verlassen. Sie hatten nicht viel Geld, weil ihr Ehemann Fritz keine Arbeit hatte. 

Ihre acht Kinder durften auf dem geschlossenen Hof spielen. Theresa wusste, dass sie sehr verlässlich waren,  aber man konnte nicht alles überwachen, was sie sahen und taten.... Wie all die anderen gingen auch ihre Kinder zu den Amerikanern auf den Marktplatz. Die Amerikaner waren sehr freundlich zu den Kindern und gaben ihnen Kaffee, Zigaretten und Schokolade.  Auf dem Land tauschte Theresa die Zigaretten gegen Nahrung um. Trotzdem misstraute Theresa den Amerikanern.

Foraging for food in the country Es war immer schwierig, so viel Nahrung zu bekommen, wie sie brauchten; sie hatten Lebensmittelkarten, aber Theresa musste versuchen, zu den Dörfern auf dem Land zu kommen. Seit einiger Zeit hatten sie ihre Häuser für bis zu zwei Stunden verlassen dürfen. Aber trotzdem musste Theresa zu dem militärischen Hauptquartier gehen, um sich einen Pass abzuholen, wenn sie die Stadt verlassen wollte.

Es gab für Theresa keine Probleme, die Pässe zu bekommen, weil sie nicht in der Partei gewesen war. Aber Papiere von vielen anderen Leuten bewiesen, dass sie Parteimitglieder gewesen waren. Diese Leute wurden alle in Lager gesteckt. In den zwei Stunden, in denen es Theresa erlaubt war, die Stadt zu verlassen, kam sie nicht weiter als nach Gosselfingen, das ungefähr 10 Kilometer weit weg war. Dort musste sie tauschen, soviel sie konnte. Sie bekam immer Milch, einige Eier oder ein bisschen Weizen. Solche Dinge, obwohl es sehr wenig war, waren extrem wichtig für die Familie. 

Der Familie war erlaubt worden, mehr als 150 Hasen in der Stadt zu halten. Jedes Wochenende schlachteten sie zwei Hasen, so dass jedes Familienmitglied mindestens einmal pro Woche Fleisch essen konnte.Fleisch war zu jener Zeit sehr selten. Nur die Ältesten von ihren Kindern und ihr Ehemann Fritz bekamen regelmäßig etwas Fleisch. 

Eines Tages stand Theresa wieder am Fenster und sah, wie ihr Sohn auf das Haus zukam. Plötzlich fuhr einer von den amerikanischen Lastwagen auf Richard zu und hielt neben ihm. Sie begannen zu reden, was eigentlich nicht unnormal war, weil Richard ein bisschen Englisch sprechen konnte. Aber plötzlich stieg Richard in den Lastwagen und fuhr mit weg. 

Theresas Herz blieb fast stehen. Hatte sie ihren Kindern nicht immer gesagt, dass sie vorsichtiger sein sollten mit den Amerikanern? Sie stellte sich schreckliche Sachen vor und betete zu Gott, dass ihrem Sohn nichts geschehen  möge. Nach einiger Zeit kam Richard heim und erzählte ihr, dass der Amerikaner ein Reinigungsgeschäft gesucht und dass er ihm eines gezeigt hätte. 

Am nächsten Morgen klingelte jemand an der Türe. Theresa machte die Tür auf und war erstaunt, zu sehen,     dass der Mann, der vor der Tür stand, der Gleiche war, der ihren Sohn im Lastwagen mitgenommen hatte. Der Amerikaner fragte Theresa, ob sie seine Hose bügeln könnte. Theresa war nicht sehr erpicht darauf, aber sie war freundlich zu ihm und bügelte seine Hose. Als der Amerikaner die acht Kinder sah, war er erstaunt; er konnte nicht glauben, dass es alle Theresas Kinder waren. Er wollte ihr Geschenke geben und wollte sie für das Bügeln bezahlen. Aber Theresa wollte nichts von ihm nehmen und schickte den Amerikaner  weg. 

Heute ist Theresa, meine Urgroßmutter, 92 Jahre alt. Ihr Ehemann Fritz, mein Urgroßvater, starb vor vielen      Jahren. Mein Großvater ist eines von den sechs Kindern, die noch leben und Richard lebt schon viele Jahre in      Australien.

 (Übersetzt von Karina L., Ulrike H., 11a-2000, Anna-Essinger-Gymnasium Ulm, Germany)


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