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Rosas Geschichte

London unter Bomben


Ich lebe jetzt, im Jahre1995, dort, wo ich schon mein ganzes Leben gelebt habe. Es ist um die Goldhawk Straße herum, Shepherds Bush, im Westen Londons. 

Ich kann mich daran erinnern, dass ich als junges Schulmädchen mit meiner Freundin Ruby nach Hause gegangen bin, als wir sahen, dass die Askew Straße (wo Ruby lebte) von Luftschutzwarten mit Seilen abgesperrt worden war, weil ein Blindgänger in einen der Gärten gefallen war. Sie kam mit mir nach Hause, und dort war ihre Mutter; sie war auf eine Tasse Tee bei uns; sie war immer noch ziemlich geschockt und mit Erde beschmiert, weil die Bombe nur einige Schritte von ihr entfernt  in den Garten  gefallen war und sie mit Klumpen von Erde bespritzt hatte!

Ruby und ich waren begeistert von der Aussicht, eine Bombe zu sehen, daher rannten wir los und tauchten unter der Abgrenzung durch (keiner entdeckte uns oder versuchte, uns aufzuhalten) und gingen weiter, und so hatten wir einen guten Blick darauf. Ich kann mich daran erinnern, dass ich erstaunt von der Größe der Bombe war; sie hatte abstehende Stummelfügel, wie auf den Bildern.

Wenn  zurückblicke, glaube ich, dass ich wohl Angst hätte haben sollen, aber tatsächlich kann man sein Leben nicht die ganze Zeit über mit schlotternden Knien daherkommen, und schließlich wird man damit fertig.

Einmal war ich wirklich aufgeregt, als ich im Kino war und es dann einen Luftangriff gab (sie bauten eine Rutsche auf und erzählten einem, man könne so  in einen Luftschutzkeller gelangen, aber kaum jemand machte es ... wenn die Bomben näher kamen, kamen immer die Ausspäher vom Dach und gaben Alarm, und dann konnte man immer noch raus gehen).

Jedenfalls, als wir nach dem Film rauskamen, blieben alle stehen und schauten  den roten Himmel über den Londoner Hafenanlagen an - ungefähr 8 oder 10 Meilen von uns entfernt, und es brannte, brannte, wie ich es noch nie zuvor erlebt hatte, so dass der ganze Himmel zu brennen schien. Der Anblick gab  meiner Mutter einen großen Schock, und  ich dankte meinem Glücksstern, dass ich nicht in East End lebte.

(Übersetzt von Annina, Jg.12-2000, Anna-Essinger-Gymnasium Ulm, Germany)

Rosa Newby
22. Oktober 1995

Rosa hat noch eine andere Geschichte über diese Zeit geschrieben:
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