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Tommys Geschichte

Teezeit für Tommy - auf dem Heimweg von der Schule im Jahr 1942

Photograph of young Tommy with his mother Es ist das Jahr 1942, ich bin 9 Jahre alt und gehe die vertraute halbe Meile von der Schule nach Hause, im Südwesten von London. Heute war ein normaler Tag - ich hatte meine kostenlose Milchflasche während der Spielzeit und hatte danach immer noch Zeit, raus zu gehen und mit meinen Klassenkameraden "Spitfires und Messerschmidts" zu spielen. Es war nicht so ein Tag, an dem ich mich für einen Löffel voll VIROL in eine Schlange stellen musste; VIROL ist ein klebriges Extrakt aus Malz, das wir einmal pro Woche schlucken müssen. (Einige von uns mögen es, aber bei Billy Fletcher ruft es Übelkeit hervor, aber ich glaube, er ist eben nur ein schmächtiger Typ.) 

   Als ich an den Obst- und Gemüsehändlern in der High Street vorbeigehe, prüfe ich genau, ob Orangenschachteln unter den Ständen versteckt sind. Meine Mutter hat ein Gerücht gehört, dass ein Schiff mit einer Ladung Orangen an Bord in Liverpool angekommen sei, und wegen meiner kleinen Schwester haben wir ein "Grünes Rationsbuch" erhalten; d.h., wenn es Orangen geben sollte, dann könnten wir eine oder zwei bekommen - aber es gibt keine. Vielleicht ist das Schiff, das sie herbringen sollte, von U-Booten im Atlantik überrascht worden. 

Zu Hause angekommen nehme ich  meinen gewöhnlichen Tee-Imbiss, der aus Brot und Margarine besteht, ein. Doch das ist  nicht so eine Margarine, wie wir sie im Jahr 1997 haben - das Zeug ist fast farblos und schmeckt eher nach Fett, aber auf keinen Fall nach Butter! Ich weiß, dass ein bisschen Butter im Schrank steht, (normale Leute haben keinen Kühlschrank, nur Amerikaner und reiche Leute haben so was), aber das ist eine Ausnahme. Ich hätte jetzt wirklich wirklich gern ein bisschen Schweineschmalz auf meinem Brot (das ist das Fett, das sich in der Röstpfanne ansammelt, wenn es Fleisch gibt. Es wird hart und man schmiert es aufs Brot und es schmeckt absolut fantastisch!), aber meine Mutter spart das Schweineschmalz. 

   Die Ration Marmelade ist beinahe weg, weswegen ich sie nur sehr dünn auf mein Brot mit Margarine schmieren kann - nur einen dünnen  Hauch. Wir haben ein Glas Pastinakmarmelade, das wir ohne Marken erhalten haben, aber es schmeckt nicht sehr gut und ich ziehe vor, das zu essen, was ich habe. Brot ist nicht rationiert, deswegen esse ich etwa sechs Scheiben. Das wird mich bis um acht am Laufen halten, bis ich einen Käsetoast als Imbiss und eine heiße Tasse Fleischbrühe bekomme. 

Photograph of Tom 
drinking tea at the Pump Rooms Morgen werden wir eines unserer Lieblingsgerichte bekommen....Bratkartoffeln (deswegen darf ich das Bratenfett nicht essen) mit gekochtem Kohl und mit Schweinshaxe und Speck, der mit dem Kohl gekocht wird. Ich werde vielleicht sogar auch eine Scheibe von dem Speck bekommen! 

   Ja, im Großen und Ganzen geht es uns gut. Wir leben nicht wie der König, die Königin und die Prinzessin Elisabeth im Palast, aber wir sind gesund und wir leben noch, und vielleicht werde ich am Samstag sogar als Extraration ein hart gekochtes Ei bekommen! (eines die Woche für  Erwachsene, aber zwei für ein Grünes Rationsbuch).

Tom Holloway
31. März 1997
 

(Übersetzt von Karina Leathley., 11a-2000, Anna-Essinger-Gymnasium Ulm, Germany)

Tom hat  einige Fragen über seine Kindheit beantwortet: :

Tom ist Mitglied des   MEMORIES Panel of Elders. Sie können hier hier klicken, um ihm zu schreiben.
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