French version here
English version here

Violettes Geschichte

Paris wird befreit

Photograph of Violette in 1943Im besetzten  Paris verbreiteten sich am 6. Juni 1944 die Nachrichten über die Landung in der Normandie schnell.

Nochmal, man war skeptisch ... bis zum August, als sich die Deutschen eilig davonmachten; ihre Lastwagen tarnten sie dabei mit Zweigen von Bäumen.

Sie zogen hastig nach Osten, geschützt von den gefährlich unberechenbaren SS Sturmtruppen, solche wie die zwei, die am Kai von Boulogne waren und uns unter Todesdrohungen befahlen, uns kerzengerade  an der Fabrikwand aufzustellen. Sieben von uns waren Geißeln, mit unseren Taschentüchern als weiße Fahnen.Wir warteten alle ungefähr 3 Stunden, bis die Leclerc Division der Französischen Armee uns erlöst hat. Dann haben wir unseren Schutzkeller zurückerlangt (einen 80 cm breiter Tunnel ), um die Nacht dort zu verbringen.Um Mitternacht kam ein Arbeiter aus dem Wasserwerk meines Vaters; er erzählte uns triumphierend, dass Paris und Boulogne befreit und beleuchtet seien, und dass der Krieg zuende sei.

   Doch leider waren die folgenden Tage nicht so gut, der Kampf war immer noch sehr intensiv um uns herum. Die Deutschen hielten noch immer viele Fabriken und Gebäude besetzt, und diese wurden kurzerhand  von den   Panzern Leclercs beschossen, die Straßen waren mit Leichen übersät. Doch schließlich nahm das Leben wieder seinen normalen Lauf. 

Am 26. rächten sich die Deutschen; sie nahmen die Bombardierungen wieder auf, und diese setzten  sich fort bis zum Ende des Krieges am 8.Mai 1945, ein glücklicher Tag für manche, jedoch katastrophal für so viele, als eine Welle von Denunziationen und  Rache ausbrach. Ich habe Frauen gesehen, die kahlköpfig rasiert wurden, weil sie zu freundlich zu deutschen Soldaten gewesen waren.

Tragische Ergebnisse der Bombardierungen für uns:
In der Familie ein Toter, drei Verletzte; in der Nachbarschaft:  Dutzende von Toten, unter ihnen drei kleine Mädchen, die oft in mein Haus gekommen waren. Eine von ihnen war die kleine Josette, die in den Armen eines Luftabwehrmannes gehalten wurde, und die noch sagte, bevor sie starb: " Ich war auf dem Weg zu Tante Violette, um ein Paar Erdnüsse zu essen und ein Spiel mit kleinen Pferden zu spielen." Die Erdnüsse waren ein seltenes Vergnügen und nahrhaft in jenen Zeiten des Hungers,  und dieses kleine Mädchen, dessen Vater in Deutschland in Gefangenschaft war, liebte es, zu uns zu kommen, wo so etwas wie Fröhlichkeit war, weil sie sich im Haus ihrer alten Patentante langweilte. 

Sogar unsere Tiere zahlten ihren Preis: Katzen und Hunde mussten getötet werden, weil sie wahnsinnig wurden vor Angst vor Bomben und Sirenen.

 Schließlich verließen uns die "Boches" (die Deutschen). Amerikaner haben ihren Platz eingenommen unter großer allgemeiner Begeisterung; sie verteilen viele Sachen von ihren Lastwagen und warfen uns Essen, Küchenzubehör, Löffel, Gabeln usw. zu. Sie brachten die Leute mit ihren Lastwagen zur Arbeit, zur großen Freude von uns allen - und ganz besonders der weiblichen Bevölkerung, wo die feschen schwarzen oder weißen GIs ein wahres Chaos ausbrechen ließen.
 
Im Juli 1945 gab es für mich ein glückliches Ende: ich fuhr auf einem Schiff nach Rouen und Le Havre. Die Seine floss auch weiterhin, aber ihre Ufer waren voller Trümmer und Zerstörung des Krieges. Es gab keine Brücken ... nur ein Übergang, der hastig für den amerikanischen Flussverkehr geschaffen worden war.

Obwohl wir bei der Yaltakonferenz nicht vertreten waren, so weist doch alles darauf hin, dass auch Frankreich einen hohen Preis bezahlt hat.

(Übersetzt von Daniel Sch. , Jg12-2000, Anna-Essinger-Gymnasium Ulm, Germany )

Violette Wassem
Juli 1997

Violette hat noch weitere Geschichten über diese Zeit geschrieben : This story has been translated by her grand-nephew Alexandre.
You can ask her some question if you click here to write to him.
Stories Map Food ELDERS