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Carmelinas Geschichte

Juni 1940 - Maltas Kriegsleidensweg beginnt

 

1939 begann die Bevölkerung, die Realität zu sehen, als auf den Fliegerstandorten mit Hochdruck gearbeitet wurde; Verdunklungsübungen, unterbrochen durch die Stille der Scheinwerfermanöver, Gasmaskenübungen in staatlichen Schulen und heulende Sirenen waren die Qual jener Tage.

Vallettas Großer Hafen sah leer aus, als die Schlachtschiffe, Kreuzer und Zerstörerschiffe - die immer unseren Hafen gefüllt hatten - ausgelaufen waren und die Evakuierung der gefährdeten Städte vom damaligen Gouverneur veranlasst wurde. Britische Familien fuhren nach Hause, was ein deutliches Zeichen war, dass der Krieg vor der Tür stand.

 

Ich war 16 Jahre alt und unsere Familie war auf den Krieg vorbereitet, weil unser Vater eine fanatische Einstellung zur feindseligen Situation in Europa hatte. Er war auf dem neuesten Stand der aktuellen Radio- und Zeitungsmeldungen. Er hielt die Sicherheitsmaßnahmen streng ein. Ich lernte von ihm, dass Hitlers Beschwichtigungspolitik unglaubwürdig sei, und sein Hauptaugenmerk lag auf der Überwachung der Ausgangssperre, den Verdunklungsübungen und der Kontrolle, dass die Familie ihre Gasmasken zu jeder Zeit griffbereit hatte.

 

Die Abendnachrichten des 10. Juni verkündeten die besorgniserregende Meldung: "Mussolini erklärt Großbritannien und Frankreich den Krieg. Malta ist in Alarmbereitschaft." Wir hatten gemischte Gefühle: Besorgnis, Angst und tiefgründige Sorgen neben Entschlossenheit, Gebeten und Ungewissheit.

 

Italien liegt in der Nähe von Malta, Syrakus ist nur 60 Meilen entfernt von unsrer Küste, und um 6.40 Uhr des 11. Juni 1940 waren die Italiener über Malta und bombardierten unsere kleine Insel. Sie kalkulierten ihren Angriff sehr gut. Sie suchten sich die Stunde des Tages aus, in der die Leute gerade ihre Häuser verlassen hatten - die Männer, um zur Arbeit zu gehen, und die Frauen und Kinder zur täglichen Messe. In diesem Jahr begannen die Sommerferien vorsichtshalber schon am 1. Juni.

Ich wurde zu dieser frühen Stunde aufgeschreckt, als plötzlich mein Schlafzimmer hell erleuchtet war; das Zimmer bebte von Donnergrollen, Blitze zuckten und Fenster zersprangen. Entsetzt schrie ich auf: "Ist das ein Sturm? Unmöglich! Gestern war so ein wunderschöner wolkenloser blauer Himmel: Ist das ein schlechter Traum?" Meine Gedanken wurden schnell unterbrochen von meiner Mutter, meinem Bruder und meinen Schwestern, die in das Zimmer kamen. Sie fragten: "Ist das noch eine Luftangriffsübung?... oder ist das ein richtiger Luftangriff?" Der Krieg... ja - wir waren nun im unmittelbaren Kriegsgebiet.

 

Das war der erste Luftangriff. Eine Bombe zerstörte unser Haus, sie schlug in unseren Garten in Msida ein und tötete zwei Leute. Andere schlugen in das neue Krankenhaus auf dem Gwardamangia-Hügel ein - mein Vater reiste mit dem Bus und entging nur knapp einem direkten Treffer in Pieta. Sechs Royal Malta Artillery Soldaten wurden im Fort St. Elmo getötet, als ihr Posten getroffen wurde.

 

Alles geschah so plötzlich, bevor sie es begreifen konnten, fanden sich die Bewohner Maltas unter Beschuss seitens der Italiener. Die Sirenen, die in den Polizeistationen und in den ARP-Zentren installiert waren, ließen die Luftangriffswarnungen ertönen, die Angreifer flogen vorbei und die Kirchenglocken läuteten zur Entwarnung, und das mindestens acht Mal am ersten Tag. Während der Luftangriffe suchten wir unter dem Esstisch Schutz, und nach der Entwarnung gingen wir in den Garten, um den blauen Himmel abzusuchen, aus Angst vor einem Erkundungsflug der Italiener, die vielleicht einen nächtlichen Angriff planten. In der übrigen Zeit klagten wir über die ungewisse Zukunft.

 

Nach einer langen Phase der Angst vor den donnernden Flakgeschützen, die von den Monitoren abgefeuert wurden, wurde der Terror bei Gzira ausgelöst. Die Kirchenglocken läuteten, um zu signalisieren, dass "alles klar" sei, und dass man nach draußen kommen konnte.

 

Ich stand im Türrahmen und sah eine große Menge Evakuierte an mir vorbeilaufen.
Ich erlebte den Schrecken eines Flüchtlingszuges. Sie kamen aus der bombardierten Region von Gzira.

 

Es war das Ergebnis vom 8. Bombardement bei Sonnenuntergang in der benachbarten Stadt Gzira, wo der Luftschutzmonitor "HMS Terror", der in Gziras Gewässern angelegt war, ein Kriegsziel wurde. Das Bombardement richtete verheerenden Schaden an - Häuser waren zerstört und Menschen wurden unter eingestürzten Gebäuden begraben.

 

Die Nähe zum Inland verursachte Besorgnis und beschleunigte die Evakuation. Komplette Familien - Säuglinge, Kinder, Erwachsene und Ältere, weinend und schreiend, zogen zu Fuß zu sichereren und geschützten Zielorten, bepackt mit nützlichen und wertvollen Gegenständen. "Wohin gehen? ...zu Freunden ...zu Verwandten ...zum alten Eisenbahntunnel, der unter den Valletta-Befestigungsbauten gegraben ist?" Malta war nun an vorderster Front der Schlacht.

Carmelina Grech
inagrech@maltanet.net
Malta G.C. - March 2005

 

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