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Fred Taylor’s Geschichte

Schwere Zeiten in den 1930ern

Es gab keinen Pfenning im Haus (zwei Zimmer), das Abendessen war „Wasserkocherbrühe“, die letzte Rettung gegen den „Wolf“. Meine Mutter, meine Schwester und ich saßen um den kahlen Küchentisch (mein Vater war auf der Suche nach irgendeiner Arbeit, „Darf ich Ihre Taschen tragen, Madam?“, „ Darf ich Ihr Pferd halten, Governor?“ etc).

Wir waren gleichzeitig voller Hoffnung und Anspannung; würden die Männer kommen? „Es war der Tag!“ Ein Rat-a-tat an der Tür; ein Gasmann kam herein um die Pfennige aus dem Gasmeter abzuhohlen. „Oh Figur der Hoffung, es muss einen Gott geben!“

Die Arme auf dem Tisch sahen wir zu, wie er Haufen von Pfennigen aus der Box schüttete. Während er zählte, konzentrierten wir uns auf den Haufen mit zwölf Pfennigen, die er zur Seite gelegt hatte. Sie waren „unsere“ Rückzahlung. Würden es zwei Schilling werden, drei Schilling oder sogar vier? Der Wolf, der halb drinne war, zog sich mit einem Zischen zurück und bezog seine alte Position vor der Tür.

Während ich einen BBC Artikel über die neue Serie „World’s End“ las, reisten meine Gedanken 70 Jahre zurück zum Ende der Welt und seinem Pub. Die eine Seite der Bar grenzte an die Kings Road, die andere Seite wurde nur von einer engen Gasse, die zur Chelsea Thames Embankment führte, vom Penny Kino getrennt. In den hohen Wänden der Gasse war ein Türrahmen ohne Tür. Dahinter war es dunkel und stickig; hier lebten die Lumpen-, Knochen-und Katzenmänner. Wir brachten Lumpen, Knochen, Marmeladengläser und Zeitungen zu ihnen und bekamen ein paar Pfennige und einen Spiess Katzenfleisch für unsere Katze.

Zu dieser Zeit lebten wir in Lots Road, auf der Chelsea-Seite der Stanley Brücke, die in den benachbarten Bezirk von Fulham führte. Wenn meine Mutter zur Arbeit lief, brachte sie meine Schwester und mich zum Penny Kino und bat den Türsteher ein Auge auf uns zu werfen (für den Fall das wir....) bis sie wieder kam. Dafür gab sie ihm zwei Pfennige. Wir saßen dann dort und sahen die Filme wieder und wieder bis uns langweilig wurde und meine jüngere Schwester anfing zu jammern „Ich will nach Hause.“

Aber nun hatten wir die Gasrückzahlung und wir konnten etwas besseres essen als „Wasserkocherbrühe“.

Wenn meine Mutter im Winter abends von der Arbeit nach Hause kam, sagte sie immer: „ Komm Freddy, wir laufen zum West End und holen ein paar Hühnerinnereien.“ Wir liefen los durch die erleuchteten Straßen am Worlds End Pub vorbei in Richtung West End. In diesen jungen Jahren war die West End für mich eine dunkle, gepflasterte, ziemlich miefige Stallung. Als wir ankamen liefen wir im Dunklen zu einer bestimmten Tür (Ich erfuhr später, dass es die Hintertür eines großen Geflügelgeschäfts war). Manchmal waren es auch andere.

Frierend warteten wir bis die Tür aufgeschlagen wurde und ein heller Lichtschein in die Stallung fiel. Für mich sah das warm und freundlich aus, wie die Sonne im Sommer. Als wir die Tür erreichten, hielt meine Mutter die Einkaufstasche offen und der Mann in der Tür füllte eine Schüssel mit Innereien, Köpfe und Hälse von Hühnern und Enten ab und schüttete es in die Tasche. Meine Mutter gab ihm sechs Pfennig dafür und wir liefen zurück durch die eisigen Strassen. Das war unser Leben.


 
Fred Taylor lebte sein ganzes Leben lang in London. Er schrieb dies für seine Tochter Ann.


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