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Peters Geschichte

Erinnerungen eines deutsch - jüdischen Schuljungen

Photograph of young Peter Meine Familie führte ein gewöhnliches deutsch - jüdisches Mittelstandsleben in München. Mein Vater war Anwalt, er und sein Cousin waren Geschäftspartner in einer hoch angesehenen Kanzlei, die ca. 1890 von seinem Onkel, einem Rechtsanwalt des Königs, in München gegründet wurde. Die Kanzlei wurde sehr respektiert und hatte genauso viele jüdische wie nicht - jüdische Klienten. Zu den Klienten meines Vaters gehörten auch Mitglieder der Königlichen Familie von Wittelsbach, die zu persönlichen Freunden wurden. Er war ein typischer deutscher Jude, dem es bewusst war, dass er sowohl Deutscher als auch Jude war. Er war ein großer Optimist und 1933 glaubte er, dass Hitler nur ein kurzlebiges Phänomen sei, viele deutsche Juden teilten diese Ansicht zu dieser Zeit.

Selbst die Ereignisse vom 10. März 1933 änderten seine Haltung nicht. An diesem Tag hatte mein Vater einen Termin im Münchner Polizeihauptquartier, um sich für die Interessen eines jüdischen Klienten, den Besitzer eines großen Geschäftes in der Innenstadt, einzusetzen. Die Fenster dieses bekannten Ladens waren einige Tage zuvor von den Nazi - Sturmtruppen eingeworfen worden. Der damalige Polizeichef war ein überzeugter Nazi, der Banden rekrutierte, die zu den "starken " Männern, den SA-Sturmtruppen gehörten, euphemistische auch "Hilfspolizei" - Einheit genannt.

Als mein Vater in einen Raum des Polizeihauptquartiers gebeten wurde, wurde er bedroht und mehrfach von den Truppen dieser SA - Nazi - "Polizisten" zusammengeschlagen. Ihm wurden einige Zähne ausgeschlagen und er erlitt dabei einen Gehörschaden. Dann musste er barfuß, blutend und mit an den Knien abgeschnittenen Hosen durch die Straßen von München zu laufen. Diese Prozession wurde von 2 Reihen bewaffneter, braun - uniformierter und mit Schaftstiefeln ausgestatteter SA - Nazi - Eskorten flankiert. Er musste ein Schild um seinen Hals tragen, auf dem stand: "Ich bin ein Jude, aber ich will mich nie mehr bei der Polizei beschweren".

Zwei Photographien des Vorfalls wurden an zwei Orten, die nicht weit voneinander entfernt waren, von einem professionellen freiberuflichen Journalisten geschossen. Er war bestürzt darüber, was er gesehen und photographiert hatte. Lokale Zeitungen weigerten sich vehement dagegen diese Photos zu veröffentlichen. Der Photograph entschloss sich dazu die Negative so schnell wie möglich loszuwerden, da sie für ihn offensichtlich eine große Gefahr darstellten.

Er telefonierte mit dem Berliner Agenten einer amerikanischen Presseagentur, dem "Internationalen Nachrichten- und Photographieservice", dem er die zwei Negativplatten verkaufte und zusandte. Er dachte nicht daran Kopien anzufertigen. Die Agentur für Photographie schickte die Platten nach Washington DC, wo zum ersten Mal eines der Photos auf der ersten Seite der "Washington Times" am 23.März.1933 veröffentlicht wurde. Die Photos wurden von den Medien über viele Jahre hinweg in der ganzen Welt veröffentlicht. Sie erscheinen immer noch von Zeit zu Zeit im Fernsehen, in Zeitungen, in Magazinen, in Schultexten, in Büchern und in Ausstellungen.

Peter Sinclair
2nd October, 2000

Translation: Reinhard Goos, Thomas Ziegler
Betreuung: Dietmar Rößler
Ickstatt - Realschule Ingolstadt

 

  • Die Geschichte von Peters Ausbildung und den Ereignissen in der Kristallnacht sind hier zu finden (aber nur in englisch).
  • Eine ausfuehrlichere Deutsche Beschreibung seiner Geschichte ist hier zu finden.

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