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Susan's Geschichte: Nürnberg, 1938

Kristallnacht - Die Nacht des zerbrochenen Glases

Photograph of young Susan

Schultage in Nazi - Deutschland

1933 kam Hitler an die Macht, ein Ereignis, das ein 10-Jahre junges, sorgloses Mädchen, wie ich es damals war, nicht groß beeinflusste. Wir lebten in Nürnberg, mein Leben war warm und angenehm und die Ereignisse der Kristallnacht waren noch viele Jahre entfernt in der Zukunft.

Ich genoss meine Schulzeit, wir hatten viele schöne Ferien und viele Freunde und Verwandte, die uns regelmäßig besuchten. Eine Zeit lang ging mein Leben im Großen und Ganzen betrachtet so weiter wie zuvor. Ich nahm Notiz davon, dass die Erwachsenen in meinem Umfeld beunruhigt waren, aber es wurde sehr wenig darüber vor den Kindern gesprochen. Wir mussten so normal wie möglich weiterleben. Wir wurden gewarnt, nicht über die Nationalsozialisten, die Nazis, zu sprechen,wie zu Hause über sie diskutiert wurde.

Ich war mit Sicherheit nicht interessiert an politischen Angelegenheiten. Ich war im Begriff, die Grundschule dieses Jahr abzuschließen und musste die Aufnahmeprüfung für das "Lyceum" absolvieren, die Mädchen-Sekundarschule. Am meisten machte mir das Bestehen der Prüfung Sorgen und mich dann später auf die neue Schule einzustellen. Ich fand dort neue Freunde und war relativ gut, vor allem in meinen Lieblingsfächern. Das eine war Mathematik, das andere Deutsch - dort vor allem das Aufsatzschreiben. Dennoch, allmählich traten mancherlei Probleme auf. Es wurde unterschieden zwischen arischen und nicht -arischen Kindern. Die nicht - arischen - jüdischen - Kinder wurden eines Tages aufgefordert in der Klasse ganz hinten zu sitzen und ab diesem Zeitpunkt wurde ihnen nicht mehr erlaubt, an den Lateinstunden teilzunehmen. Wir konnten den Grund nicht begreifen und unsere kleine Gruppe jüdischer Mädchen munterte sich gegenseitig durch die Annahme auf, dass wir vermutlich besser als die anderen seien! Die nicht - jüdischen Mädchen mussten der Hitlerjugend beitreten. Die meisten von ihnen genossen das.

In der Hitlerjugend wurde ihnen neben Singen und Marschieren jede Art von anti-semitischen Dingen gelernt und sie hassten daraufhin ihre alten Freunde. Ich war gekränkt und verblüfft. Ich hatte mich nicht verändert, also warum waren sie nicht mehr meine Freunde? Zunehmend waren nur noch die jüdischen Mädchen meine Freundinnen. "Jüdische Stinker" wurden uns oft nachgerufen. Wann immer es möglich war, rief ich zurück "Ich bin der Jude und ihr seid die Stinker" und dann musste ich schnell weglaufen - falls mehr von "ihnen" da waren. Innerhalb der Klasse wurde uns tatsächlich gesagt, dass es uns nicht erlaubt sei, gute Noten zu haben. Meine Aufsätze wurden nicht mehr vorgelesen. Der Grund, der dafür angegeben wurde, war, dass nur ein echter Deutscher in Deutsch gut sein konnte.

Zu Hause versuchten meine Eltern das Unrecht, das uns in der Schule zugefügt wurde, auszugleichen. Mein Vater sprach oft mit uns über jüdische Errungenschaften in Naturwissenschaften, Literatur, Musik, Medizin und vielen anderen Bereichen. Er machte uns aufmerksam auf den sehr großen Anteil jüdischer Nobel - Preis - Gewinner und sprach mit uns über die lange und stolze Geschichte der Juden. Er schaffte es,dass wir stolz darauf waren, ein Jude zu sein und manchmal, trotz der ganzen Ungerechtigkeit, die wir täglich in der Schule erfuhren, empfand ich Mitleid mit allen, die nicht Juden waren.

Während des Sommers 1938 wurde uns mitgeteilt, dass alle jüdischen Kinder an jüdischen Schulen unterrichtet werden mussten. Deshalb musste ich auf eine neue Schule gehen, die in Fürth lag, einer Stadt nahe Nürnberg - nur ein Straßenschild machte deutlich, wo die eine Stadt aufhörte und die andere begann. Ich fing dort im Herbsttrimester an, und weil Auswanderung eine deutliche Notwendigkeit, sogar bei den meisten optimistischen Juden wurde, fing auch ich an, Schnellkurse in Kochen und Nähen zu nehmen, um es mir möglich zu machen, falls nötig, ein eigenes Leben in einem anderen Land zu führen. Ich machte diese Lehrgänge nur eine sehr kurze Zeit lang, denn dann kam der fürchterliche 9. November, als sich mein Leben grundlegend veränderte.

Kristallnacht - Die Nacht des zerbrochenen Glases (2 bilder hier)

Ein junger Jude in Paris hatte einen deutschen Diplomaten getötet. Dieses Ereignis wurde als Auslöser für einen lange geplanten Überfall auf jüdische Haushalte und Betriebe, gut organisierte Pogrome, benutzt. In dieser Nacht wachte ich auf wegen Lärm, Schreien und Gezeter auf. 8 junge Sturmsoldaten, betrunken oder anderswie gestört, schlugen unsere Wohnung kaputt. Nach einer Weile kamen sie dann ins Schlafzimmer , das ich mit meiner jüngeren Schwester teilte. Sie hatten sie schon ziemlich viel Schaden in anderen Zimmern angerichtet und meine Eltern ins Badezimmer eingesperrt. Meine Eltern hatten Angst um ihre Kinder, und ich konnte sie schreien und zetern hören und dann bekam ich große Angst. Ich konnte mir nicht vorstellen, was mit ihnen geschah. Als die Sturmsoldaten in unser Zimmer kamen, rissen sie mich aus dem Bett und zerfetzten mein Nachthemd. Als 15-Jährige war ich mehr als nur in Ver-legenheit . Dann sagten sie zu mir, ich sollte mir etwas anziehen und meine Sachen aus meinem Schrank nehmen. Er war von dieser schweren herkömmlichen Machart. Als ich vor ihm stand, warfen die 8 jungen Männer ihn um. Es stand außer Frage, dass sie mich dadurch zu töten versuchten und sie verließen den Raum. Glücklicherweise war der Raum so stark zerstört, dass ein Tisch, vorher auf den Kopf gestellt, den Kleiderschrank an einer Ecke lange genug aufhielt, so dass ich darunter hervorkrabbeln konnte. Die Erinnerung an dieses Ereignis werde ich für immer behalten.

Meine Besorgnis galt aber auch meiner kleinen Schwester. Sie war unter die Bettdecke gekrochen und ihr Bett war komplett von zersplittertem Glas bedeckt, doch ihr war nichts passiert. Die Männer entfernten sich, um noch mehr Schaden in anderen Häusern anzurichten und uns war es möglich unsere Eltern zu befreien und den Trümmerhaufen zu begutachten, der früher einmal unser Haus gewesen war. Unser älteres Dienstmädchen konnte nicht glauben, dass Hitler, den sie bewunderte, für all das verantwortlich sein konnte! ("Wenn nur unser Führer das wüsste!") Eine Freundin, die bei uns wohnte, versteckte sich auf dem Balkon; sie fror in ihrem Nachthemd in einer kalten Novembernacht. Den Tag zuvor hatte sie mir gesagt, dass sie nicht wüsste, ob sie glauben sollte, was ihr jüdischer Stiefvater ihr über die Nazis erzählt hatte oder was ihr ihre Tante gesagt hatte, welche eine begeisterte Anhängerin der Nazis war und bei der sie gerade zu Besuch war. Nach dieser Nacht war es ihr klar. Als ich sie am nächsten Tag zum Bahnhof brachte, flehte sie mich an zu ihr zu kommen und mit meiner Familie auf ihrem Hof in der Nähe von München zu leben, so dass uns kein Schaden ereilen konnte.

Am folgenden Morgen fuhr ich, wie es mir mein Vater sagte, mit meinem Fahrrad los um nach unseren Familienfreunden zu sehen. Niemand traute sich ein Telefon zu benutzen und so war es die einzige Möglichkeit herauszufinden, ob sie alle überlebt hatten. Alle hatten schreckliche Geschichten über die letzte Nacht zu erzählen. Die allgemeine Meinung an diesem Tag war aus Nürnberg hinaus zu kommen. Der Grund dafür war, dass Nürnberg von Julius Streicher verwaltet wurde, Hitlers Chef - Judenhetzer, und er hatte für diesen Abend ein großes öffentliches Treffen einberufen. Alle Arten von schrecklichen Dingen konnten danach geschehen.

Das Ziel meiner Familie war es, nach München zu gelangen, wo der Britische Konsul meinem Vater Schutz im Konsulat anbot, falls irgend etwas zu kompliziert werden sollte. (Es wäre schön für mich gewesen, wenn ich gewusst hätte, dass dort ein 17-jähriger Junge war, der eines Tages mein Mann werden würde). Wir packten ein paar Sachen und mein Vater gab mir seine wichtigen Papiere um sie in meiner Unterwäsche zu verstecken, so dass er sie nicht tragen würde, und wir fuhren am Abend ab.

Mein Vater wird nach Dachau gebracht

Als wir uns München näherten, konnten wir sehen, dass die Autos, die die Stadt verlassen wollten, angehalten wurden. Unser Fahrer sagte uns, dass wir uns keine Sorgen machen sollten, denn er kenne München sehr gut und er würde uns über eine kleine Straße hinein bringen, an der wahrscheinlich keine Straßensperren wären. Er lag falsch, wir wurden angehalten und mein Vater wurde aus dem Auto gezogen, nachdem er gefragt worden war, ob er ein Jude sei. Er wurde in einen Lieferwagen zusammen mit anderen Juden gesteckt, die sie bereits gefunden hatten. Als der Lieferwagen abfuhr, gab meine Mutter die Anweisung, ihm zu folgen. Schließlich fuhr er in einen Hof einer Kaserne, wo, obwohl es mitten in der Nacht war, Leute standen und jubelten. Als der Lieferwagen abgeladen war, folgte meine Mutter tapfer meinem Vater in das Gebäude. Meine Schwester und ich waren müde und verängstigt von dem aggressiven Pöbel um uns. Einer von der Sturmtruppe kam zu uns und sagte uns, wir sollen zurück nach Nürnberg laufen, weil wir unsere Eltern nie wieder sehen und sie würden unser Auto konfiszieren.

Klar hatte ich keine Idee, wie man nach Nürnberg geht. Ich entschied, nichts zu machen und hoffte, dass meine Eltern bald zurückkommen würden. Meine Mutter kam nach einiger Zeit zurück. Sie war bekümmert. Sie war nicht in der Lage gewesen etwas zu erreichen, nicht einmal meinen Vater zu sehen. Sie entschied, es am nächsten Morgen erneut zu versuchen und versuchte für uns ein Hotel für die Nacht zu finden. Sie war viel mit meinem Vater gereist und kannte verschiedene Hotels in München. Am ersten, in dem sie vor kurzem erst übernachtet hatten, war ein Schild am Eingang mit der Aufschrift "Keine Juden". Wir bemerkten, dass eine ähnliche Notiz an allen anderen Hotels stand. Es war zu spät in der Nacht um ins Britische Konsulat zu gehen und als wir uns fragten, was in aller Welt wir tun könnten, folgte der Portier eines Hotels meiner Mutter zum Auto. Er gab uns die Adresse eines kleinen Hotels, welches seiner Schwester gehörte, und einen Zettel mit der Bitte an seine Schwester, sich um uns zu kümmern.

Wir kamen dort an, bekamen ein Zimmer und wir Kinder gingen sofort schlafen. Wir wachten spät auf und merkten, dass unsere Mutter nicht da war. Sie hatte uns einen Zettel hinterlassen, auf dem stand, dass sie zurück zur Kaserne gehen würde und wir im Zimmer bleiben sollten. Endlich kam sie zurück. Es war ihr nicht möglich gewesen meinen Vater zu sehen, ihr wurde nicht gesagt, wo er war, aber ihr wurde gesagt, dass sie ihr seine Asche schicken würden. In Wirklichkeit war er zu diesem Zeitpunkt auf dem Weg ins Konzentrationslager nach Dachau.

Meine Mutter entschied, uns zu einem Bauernhof von Freunden zu bringen und selbst nach Nürnberg zurück zu gehen um zu sehen, was sie für ihn tun konnte. Sie fand heraus, dass man zu dieser Zeit aus einem Konzentrationslager freigelassen werden konnte, wenn man ein Geschäft oder Besitz hatte, den man Nazis übergab. Mein Vater hatte beides und sie bereitete alle notwedigen Papiere vor. Man brauchte ein Visum für ein anderes Land, bevor man entlassen wurde, und sie arbeitete mit der Hilfe von Freunden daran. Sie versuchte ein Visum für Amerika, England, Palästina oder vielleicht für ein anderes Land zu bekommen.

Nach ein oder zwei Wochen schickte ein Onkel aus der Schweiz einen Anwalt, um meine kleine Schwester zu holen, damit einer aus der Familie gerettet war. Ich blieb auf dem Bauernhof und half dort bei aller Arbeit. Die Arbeit auf dem Bauernhof begann um 4 Uhr morgens. Der Bauer war früher ein Diplomat, der heraus fand, dass er jüdisch war, obwohl seine Familie zum Christentum konvertiert war, bevor er geboren wurde. Er war ihm nicht möglich ein Diplomat zu bleiben, und deshalb hatten er und seine Familie sich auf einem Bauernhof niedergelassen. Jeder arbeitete hart, aber nach dem Frühstück, während seine Frau, Töchter und ich das Gemüse putzten, las er uns für mindestens eine Stunde aus einem ernst zu nehmenden Buch vor. Mindestens eine Stunde.

Mein Vater wurde früh im Dezember freigelassen, als ich noch auf dem Bauernhof war, aber nur, nachdem er seinen ganzen Besitz den Nazis gegeben hatte. Ich war immer noch auf dem Bauernhof. Als ich ihn sah, war ich total erschrocken. Er schien in einem Monat 10 Jahre gealtert zu sein. Seine Haare waren ihm abrasiert und die Stoppeln, die nachwuchsen, waren grau statt braun. Er trug seinen Hut nicht, wie er es normalerweise tat. Er wollte, dass "sie" sich schämten, da er nichts hatte, wofür er sich schämen musste. Er erzählte uns von einigen grauenhaften Erfahrungen des letzten Monats. Er ist immer nett und geduldig gewesen, aber jetzt war er verärgert und nervös.

Ausgehverbot

Spät im Dezember wurde ich zurück nach Nürnberg gerufen, weil mein Visum für England angekommen war. Es gab ein Ausgehverbot für alle Juden. Wir mussten früh am Abend im Haus sein. Eines Tages wurde das für mich unmöglich, als ich zu einer Klinik nach München musste um ein Zertifikat für meine Mutter zu bekommen, welches sie für eines der Visa benötigte.

Die Klinik, eine jüdische, war ein Chaos, weil so viele Leute ein Zertifikat oder eine Impfung, usw. benötigten. Ich musste Stunden warten und verpasste den Zug, der mich zum Bauernhof zurück gebracht hätte, bevor das Ausgehverbot begann. Ich blieb mit jüdischen Freunden in München, aber ich bereitete meinen Freunden auf der Farm eine Menge Kummer, weil ich nicht in der Lage war, sie wissen zu lassen, wo ich war. Ich glaube, sie hatten kein Telefon.

Flucht nach England

Mein Vater wollte die Familie so schnell wie möglich aus Deutschland herausschaffen und gab sich selbst die Schuld dafür, dass er so lange geglaubt hatte, dass Hitler sich nicht halten werden könnten. Meine ältere Schwester kam von der Universität aus Hamburg zurück, wo sie nichts von den Dingen erfahren hatte, die wir erfahren hatten. Sie und ich waren daran, so bald wie möglich nach England zu gehen. Wir mussten Pässe bekommen. Diese waren mit einem großen roten "J" auf der ersten Seite abgestempelt. Die Papiere unserer Eltern waren nicht fertig, aber sie hofften später nachkommen zu können. Es waren nur einige Tage vor Weihnachen 1938, als wir Deutschland mit den zwei jungen Söhnen von Freunden unserer Eltern verließen.

Ich hatte gemischte Gefühle. Ich war sehr aufgeregt bei der Aussicht, nach England zu gehen; glücklich, Deutschland zu verlassen, und traurig, meine Eltern zurück zu lassen. Der Vater der Jungen reiste mit uns an die deutsch/holländische Grenze. Auch er musste seine Papiere zusammenbekommen, bevor er sich seinen Söhnen anschließen konnte. Bevor er uns verließ, redete er mit einem Engländer im Zug, der ihm versprach auf uns vier aufzupassen, sobald wir Deutschland verlassen hatten und auf uns selbst gestellt wären.

Wir waren, wie auch immer, bereits gut in Holland, bevor er in unser Abteil kam. Er erklärte uns, dass angesichts der "J"´s, die in unsere Pässe gedruckt waren, er nicht in unserer Nähe gesehen werden wollte, bis wir wirklich alle deutschen Grenzkontrollen hinter uns gebracht hätten. Er war ein Geschäftsmann, der von Wien nach Hause, zurückreiste. In Wien hatte er viele jüdische Freunde, deren Schmuck- und Wertsachen er gerade in Sicherheit nach England brachte. Da es jedem von uns nur erlaubt war, 10 Mark mitzunehmen, wollte er, dass seine Freunde etwas von Wert in England hätten, wenn sie ankämen.

Von da an schaute "unser" Engländer in regelmäßigen Abständen vorbei und versicherte sich, dass wir alles hatten, was wir benötigten. Wir fuhren während der Nacht von Hoek van Holland aus und kamen in Harwich am 23. Dezember 1938 an, gerade sechs Wochen nach den schrecklichen Vorfällen der Kristallnacht. Er sah uns auf dem Schiff und an Land und wir reisten zusammen mit dem Zug nach London. Auch er wollte auch mit uns einwandern. Ich war besorgt, ob ich mein geliebtes Klavier - Akkordeon mitbringen dürfte. Dies war mir wichtiger als der rest meines Gepäcks. Unser Freund sagte einige magische Wörter zum Zollbeamten und der Akkordeonkasten wurde als überprüft ausgezeichnet. In London ging er nicht eher, bis er uns unseren Freunden und Verwandten übergeben hatte, die gekommen waren, um uns abzuholen. Meiner Ansicht nach tat er viel mehr als nur und zu helfen und sich um uns zu kümmern. Er vermittelte mir ein gutes Gefühl, nach England gekommen zu sein.

Ich wohnte bei wundervollen Freunden meiner Eltern, die Deutschland schon einige Jahre zuvor verlassen hatten. Junge Leute unter l7 mussten einen Vormund haben, da sie sonst um keine Arbeitserlaubnis nachsuchen konnten. Unsere Freunde hatten für meine Erziehung garantiert, und sie machten mich zu einem Teil ihrer Familie. Ihr Zuhause war glücklich und sie gaben mir ein Gefühl willkommen zu sein. Sie waren freundlich und dennoch beharrlich in ihrem Bestreben, dass ich versuchen musste den Alptraum des vergangenen Monats abzuschütteln. Ich hatte das Nachthemd mitgenommen, das man mir herunter-gerissen hatte. Sie überzeugten mich sanft, es loszuwerden und es wurde feier-lich weggeworfen.

Sie schickten mich auf ein College, um Englisch zu lernen und nach einigen Wochen konnte ich Englisch sprechen und verstehen und war zu meinem neuen Leben bereit. Meinen Eltern gelang es im Mai l939 zu uns zu kommen und meine jüngere Schwester kam aus der Schweiz eine Woche vor Kriegsausbruch an. Wirhatten Glück, wieder zusammen und in England zu sein. Nach dem Krieg wurden wir alle Briten.

Übersetzung: Gerhard Koller, Sebastian Königer, Andreas Löwe
Betreuender Lehrer: Reinhard Hopfe
Ickstatt-Realschule, Ingolstadt

Photograph of Susan nowSusan
20th December, 1998

Susan lebt heute in England und ist hier, genau fünfzig Jahre nach den Ereignissen, die sie im obigen Text schildert, abgebildet.


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